Pressemeldungen Verfahren LAION

Pressemitteilungen in den Verfahren Kneschke ./. LAION e.V.

Im Folgenden finden Sie unsere Pressemitteilungen zu den Verfahren Kneschke ./. LAION e.V..

 

Inhaltsübersicht

Pressemitteilung zum Urteil Landgericht Hamburg vom 27.09.2024

 

Pressemitteilung zum Urteil Oberlandesgericht Hamburg vom 10.12.2025

 

Pressemitteilung vor dem Urteil Bundesgerichtshof am 03.09.2026

 

Pressemitteilung nach der Verhandlung beim Bundesgerichtshof vom 03.09.2026

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Wegweisendes Berufungsurteil im Verfahren Kneschke ./. LAION e.V. stärkt Rechtssicherheit für KI-Forschung in Deutschland und Europa

Hannover/Hamburg, 10.12.2025 – Das Hanseatische Oberlandesgericht hat heute ein richtungsweisendes Urteil für die Entwicklung Künstlicher Intelligenz in Deutschland und Europa verkündet: Im Berufungsverfahren Kneschke ./. LAION e.V. wurde die Berufung des Klägers zurückgewiesen und das erstinstanzliche Urteil des Landgerichts Hamburg vom 27.09.2024 vollumfänglich bestätigt.

 

Worum geht es?

Gegenstand des Verfahrens war die Vervielfältigung einer Fotografie des Klägers durch den Beklagten, einem gemeinnützigen Verein, im Rahmen der Erstellung eines Datensatzes. Der Beklagte lud Bilder herunter, um mittels einer Software abzugleichen, ob der Bildinhalt mit der vorbestehenden Textbeschreibung korreliert. Es handelte sich also um eine vorgelagerte Analyse zur Schaffung eines Trainingsdatensatzes für KI.

 

Anwendbarkeit des § 44b UrhG (Text und Data Mining)

Wie zuvor das LG Hamburg hat das OLG Hamburg bestätigt, dass das Herunterladen von Bildern zum Zwecke des Abgleichs mit Textbeschreibungen unter den Begriff des Text und Data Mining (TDM) gemäß § 44b Abs. 1 UrhG fällt:

Das Gericht stellt fest, dass der Abgleich zwischen Bild und Textbeschreibung der Gewinnung von Informationen über „Korrelationen“ dient. Der Begriff der Korrelation umfasst hierbei jede wechselseitige Beziehung, einschließlich des bloßen „Zusammenpassens“ von Bild und Text.

Das Gericht lehnte die Ansicht ab, dass § 44b UrhG auf das Training generativer KI nicht anwendbar sei. Im Gegenteil: Der Gesetzgeber habe § 44b UrhG gerade auch mit Blick auf KI-Anwendungen geschaffen, um Innovationen zu fördern.

 

Der „Maschinenlesbare Nutzungsvorbehalt“ (§ 44b Abs. 3 UrhG)

Ein Streitpunkt war, ob der Kläger wirksam einen Nutzungsvorbehalt („Opt-Out“) erklärt hatte. Die Bildagentur, auf deren Seite das Bild veröffentlicht war, hatte in ihren Nutzungsbedingungen in natürlicher Sprache einen Vermerk, den man als Scraping-Verbot interpretieren könnte.

Das OLG Hamburg urteilte, anders als zuvor das LG Hamburg, auch in diesem Punkt zugunsten von LAION: Der Rechteinhaber trage die Darlegungs- und Beweislast dafür, dass ein Vorbehalt zum Zeitpunkt der Nutzung maschinenlesbar war. Ein in natürlicher Sprache in Nutzungsbedingungen verfasster Vorbehalt genügte im vorliegenden Fall nicht den Anforderungen an die Maschinenlesbarkeit. Das Gericht führte aus, dass ein Vorbehalt nur dann maschinenlesbar ist, wenn er automatisiert nicht nur erfasst, sondern auch interpretiert und befolgt werden kann.

 

Drei-Stufen-Test

Das Gericht prüfte und bejahte die Vereinbarkeit mit dem sog. Drei-Stufen-Test. Da die Vervielfältigung rein intern bei LAION erfolgte und im veröffentlichten Datensatz nur Links enthalten sind, wird die normale Verwertung des Werkes nicht beeinträchtigt. Dass generative KI später potenziell Konkurrenzprodukte erzeugt, ist eine abstrakte, in der Zukunft liegende Folge, die der Nutzung zur Datensatzerstellung nicht entgegengehalten werden kann.

 

Privilegierung für wissenschaftliche Forschung (§ 60d UrhG)

Wie schon das LG Hamburg entschied auch das OLG, dass LAION sich auch auf die Forschungsschranke des § 60d UrhG berufen kann. Bei dem gemeinnützigen Verein handelt es sich um Forschung im Sinne der Vorschrift. Zudem sei das Vorgehen des Vereins, nämlich die Erstellung und Validierung von Trainingsdatensätzen, als wissenschaftliche Forschung zu qualifizieren. Dafür spreche auch der Open-Source-Ansatz des Beklagten, wonach die Datensätze öffentlich jedermann zugänglich gemacht werden.

 

Wie geht es weiter?

Das letzte Wort ist jedoch noch nicht gesprochen: Die Revision zum Bundesgerichtshof (BGH) wurde wegen grundsätzlicher Bedeutung zugelassen.

 

Stimme der Kanzlei zum Urteil

„Das Urteil gibt der KI-Forschung in Deutschland Rückenwind", sagt Rechtsanwalt Nick Akinci von Heidrich Rechtsanwälte, die LAION in dem Verfahren vertreten haben. „Es zeigt, dass die bestehenden Gesetze Innovationen durch und mit KI in Deutschland ermöglichen. Zudem schafft das Urteil erste Rechtssicherheit in Bezug auf die Nutzung von urheberrechtlich geschützten Werken für das KI Training und für die Frage, was Rechteinhaber tun müssen, um eine Erfassung ihrer Inhalte durch KI-Anbieter zu unterbinden.“

 

Den Volltext des Urteils finden Sie hier.

 

Für weitere Informationen wenden Sie sich gern an:

Heidrich Rechtsanwälte
Rechtsanwalt Nick Akinci
Tel.: 0511 - 37498150
akinci@recht-im-internet.de

 

English Version

Landmark appeal ruling in Kneschke v. LAION e.V. strengthens legal certainty for AI research in Germany and Europe

Hanover/Hamburg, December 10, 2025 – The Hanseatic Higher Regional Court today announced a landmark ruling for the development of artificial intelligence in Germany and Europe: In the appeal proceedings Kneschke v. LAION e.V., the plaintiff's appeal was dismissed and the first-instance ruling of the Hamburg Regional Court of September 27, 2024, was upheld in its entirety.

 

What is this about?

The subject of the proceedings was the reproduction of a photograph of the plaintiff by the defendant, a non-profit association, in the context of creating a data set. The defendant downloaded images in order to use software to compare whether the image content correlated with the existing text description. This was therefore an upstream analysis for the creation of a training data set for AI.

 

Applicability of Section 44b UrhG (text and data mining)

Like the Regional Court of Hamburg before it, the Higher Regional Court of Hamburg has confirmed that downloading images for the purpose of comparing them with text descriptions falls under the concept of text and data mining (TDM) pursuant to Section 44b (1) UrhG:

The court found that the comparison between images and text descriptions serves to obtain information about “correlations.” The term ‘correlation’ encompasses any reciprocal relationship, including the mere “matching” of images and text.

The court rejected the view that Section 44b UrhG is not applicable to the training of generative AI. On the contrary, the legislature created Section 44b UrhG specifically with AI applications in mind in order to promote innovation.

 

The “machine-readable reservation of use” (Section 44b (3) UrhG)

One point of contention was whether the plaintiff had effectively declared a reservation of use (“opt-out”). The image agency on whose website the image was published had a note in its terms of use in plain language that could be interpreted as a prohibition on scraping.

Unlike the Hamburg Regional Court before it, the Hamburg Higher Regional Court also ruled in favor of LAION on this point: the rights holder bears the burden of proof that a reservation was machine-readable at the time of use. A reservation written in natural language in the terms of use did not meet the requirements for machine readability in this case. The court stated that a reservation is only machine-readable if it can be automatically not only recorded but also interpreted and complied with.

 

Three-step test

The court examined and affirmed compatibility with the so-called three-step test. Since the reproduction took place purely internally at LAION and the published data set only contains links, the normal exploitation of the work is not impaired. The fact that generative AI may potentially produce competing products in the future is an abstract consequence that cannot be used to oppose the use of the data set for data creation.

 

Privilege for scientific research (Section 60d UrhG)

Like the Regional Court of Hamburg before it, the Higher Regional Court ruled that LAION can also invoke the research exemption under Section 60d of the German Copyright Act (UrhG). The non-profit association is engaged in research within the meaning of the provision. Furthermore, the association's activities, namely the creation and validation of training data sets, qualify as scientific research. This is also supported by the defendant's open-source approach, according to which the data sets are made publicly available to everyone.

 

What happens next?

However, the final word has not yet been spoken: an appeal to the Federal Court of Justice (BGH) has been allowed on grounds of fundamental importance.

 

Our opinion on the ruling

“The ruling gives AI research in Germany a boost,” says attorney Nick Akinci of Heidrich Rechtsanwälte, who represented LAION in the proceedings. “It shows that existing laws enable innovation through and with AI in Germany. In addition, the ruling creates initial legal certainty with regard to the use of copyright-protected works for AI training and the question of what rights holders must do to prevent their content from being captured by AI providers.”

 

The full text of the ruling can be found here.


 

For further information, please contact:

Heidrich Rechtsanwälte
Attorney Nick Akinci
Tel.: 0511 - 37498150
akinci@recht-im-internet.de

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Klares Urteil für LAION e.V.: Gericht bestätigt rechtmäßige Nutzung von Bildmaterial für KI-Training

 

In einem für die offene Forschung und Weiterentwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) in Deutschland und Europa bedeutenden Verfahren hat das Landgericht Hamburg am 27.09.2024 die Klage eines Stockfoto-Händlers gegen den gemeinnützigen Verein LAION e.V. in allen Punkten abgewiesen (Az.: 310 O 227/23). Das Gericht bestätigte damit die Rechtmäßigkeit des Vorgehens des Beklagten im Rahmen der Erstellung von Trainingsdatensätzen und wies die Vorwürfe des Klägers zurück, der eine Verletzung seiner Urheberrechte geltend gemacht hatte. Der Verein wurde dabei von der auf KI-Recht spezialisierten Rechtsanwaltskanzlei Heidrich Rechtsanwälte aus Hannover vertreten.

 

Im Mittelpunkt des Rechtsstreits stand die Nutzung eines Bildes des Klägers im Rahmen der Erstellung des öffentlich frei zugänglichen Datensatzes „LAION 5B“, der für das Training von generativen KI-Modellen im Bildbereich verwendet wird. Der Kläger sah in der einmaligen, vorübergehenden, automatisierten Vervielfältigung eines seiner Bilder eine Verletzung seiner Urheberrechte. Anders als oft dargestellt, enthält der Datensatz aber keine Bilder, sondern lediglich Links zu Bildern, die an anderen Stellen im Netz zu finden sind.

 

Der LAION e.V., der gemeinnützig agiert und sich der Förderung wissenschaftlicher Forschung widmet, argumentierte hingegen, dass die Vervielfältigung im Rahmen des Text und Data Mining-Verfahrens (TDM) zulässig und durch die gesetzlichen Ausnahmeregelungen des Urheberrechts, insbesondere § 60d UrhG, gedeckt sei. Rechtsanwalt Nick Akinci, der den Verein vertreten hat, weist vor allem auf die Bedeutung der Einordnung von KI-Training als TDM hin: “Dies entspricht dem eindeutigen Willen sowohl des europäischen als auch des deutschen Gesetzgebers”.

 

Die Entscheidung des Gerichts

Das Landgericht Hamburg sah in seinem Urteil keine unzulässige Vervielfältigung des urheberrechtlich geschützten Bildes. Stattdessen bestätigte das Gericht, dass die Handlung des Beklagten im Einklang mit einer Ausnahmebestimmung (sog. Schrankenregelung) des Urheberrechts stand, die speziell für wissenschaftliche Forschungszwecke geschaffen wurde. Damit war die Vervielfältigung für Zwecke der KI-Forschung durch den gemeinnützigen Verein gerechtfertigt und rechtmäßig.

 

Bei der Vervielfältigung eines Bildes zum Zwecke der Auswahl von Trainingsdaten handele es sich – so das Gericht – um Text und Data Mining im Sinne der gesetzlichen Ausnahmebestimmungen.

 

Bedeutung des Urteils für die KI-Entwicklung

Dieses Urteil stellt einen wichtigen Meilenstein für die Forschung im Bereich der generativen Künstlichen Intelligenz dar, da es die die legale Nutzung von urheberrechtlich geschützten Bildern für Trainingsdatensätze wie „LAION 5B“ bestätigt. Der LAION e.V. setzt sich seit seiner Gründung für die Förderung der Forschung und die Bereitstellung freier, öffentlicher Datensätze ein, die der wissenschaftlichen Gemeinschaft weltweit zur Verfügung stehen.

 

„Wir begrüßen die Entscheidung des Gerichts, die die Bedeutung von freien und öffentlichen Datensätzen für die Forschung und Entwicklung von KI-Modellen unterstreicht“, erklärten Christoph Schuhmann und Dr. Jenia Jitsev als Vertreter des LAION e.V. „Das Urteil gibt uns Rechtssicherheit und ermöglicht es uns, weiterhin innovative und wissenschaftlich fundierte Projekte mit hohem Grad an Transparenz und Reproduzierbarkeit zu fördern, die der Gesellschaft insgesamt zugutekommen.“

 

Der LAION e.V. wird weiterhin seinem Vereinszweck entsprechend die Forschung im Bereich der Künstlichen Intelligenz unterstützen und kostenfreie Datensätze für wissenschaftliche Zwecke bereitstellen. Das Urteil des Landgerichts Hamburg schafft eine wichtige Grundlage für die rechtssichere Nutzung von öffentlich zugänglichen Daten im Rahmen der wissenschaftlichen Forschung. Es bestätigt, dass der Verein auch in Zukunft einen wesentlichen Beitrag zur Förderung von Open-Source-Initiativen leisten kann, was insbesondere die KI-Entwicklung in Deutschland fördert.

 

Der Kläger kann nun innerhalb eines Monats Berufung gegen das Urteil beim hanseatischen OLG einlegen.

 

Volltext des Urteils bei openjur.de.

 

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Rechtsanwalt Nick Akinci
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English Version

Clear ruling for LAION e.V.: Court confirms lawful use of image material for AI training

 

In a case important for the open research and further development of artificial intelligence (AI) in Germany and Europe, the Hamburg Regional Court dismissed the lawsuit of a stock photo dealer against the non-profit association LAION e.V. on 27.09.2024 on all counts (Az.: 310 O 227/23). The court thus confirmed the legality of the defendant's approach in the context of the creation of training data sets and rejected the allegations of the plaintiff, who had claimed an infringement of his copyrights. The association was represented by the Hanover-based law firm Heidrich Rechtsanwälte, which specializes in AI law.

 

At the center of the legal dispute was the use of an image of the plaintiff in the context of the creation of the publicly accessible dataset "LAION 5B", which is used for the training of generative AI models in the image area. The plaintiff saw the one-time, temporary, automated reproduction of one of his images as an infringement of his copyrights. Contrary to what is often portrayed, however, the dataset does not contain images, but only links to images that can be found elsewhere on the net.

 

LAION e.V., which operates on a non-profit basis and is dedicated to the promotion of scientific research, argued that reproduction within the framework of the text and data mining process (TDM) is permissible and covered by the legal exceptions of copyright law (in particular § 60d UrhG). Lawyer Akinci, who represented the association, points out above all the importance of classifying AI training as TDM: "This corresponds to the clear will of both the European and the German legislator".

 

The court's decision

In its ruling, the Hamburg Regional Court did not see any inadmissible reproduction of the copyrighted image. Instead, the court confirmed that the defendant's action was in accordance with an exception (so-called limitation regulation) of copyright law (§ 60d UrhG), which was created specifically for scientific research purposes. The reproduction for the purposes of AI research by the non-profit association was therefore justified and lawful

 

According to the court, the reproduction of an image for the purpose of selecting training data is text and data mining within the meaning of the statutory exemption provisions. The court left open whether the later training of generative AI is also covered by the exceptions.

 

Significance of the ruling for AI development

This ruling represents an important milestone for research in the field of generative artificial intelligence, as it confirms the legal use of copyrighted images for training datasets such as "LAION 5B". Since its foundation, LAION e.V. has been committed to promoting research and providing free, public datasets that are available to the scientific community worldwide.

 

"We welcome the court's decision, which underlines the importance of free and public datasets for the research and development of AI models," said Christoph Schuhmann and Dr. Jenia Jitsev as representatives of LAION e.V. "The ruling gives us legal certainty and enables us to continue to promote innovative and scientifically sound projects with a high degree of transparency and reproducibility,  which benefit society as a whole."

 

LAION e.V. will continue to conduct and support research in the field of artificial intelligence in accordance with its purpose and provide free data sets for scientific purposes. The ruling of the Hamburg Regional Court creates an important basis for the legally compliant use of publicly accessible data in the context of scientific research. It confirms that the association can continue to make a significant contribution to the promotion of open source initiatives in the future, which promotes AI development in Germany in particular.

 

The plaintiff can now appeal the verdict to the Hanseatic Higher Regional Court within a month.

 

English Version: LG Hamburg, judgement of 27.09.2024 - 310 O 227/23

 

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Attorney-at-Law Nick Akinci
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Termin vor dem Bundesgerichtshof (BGH): Grundsatzverfahren zu KI-Training und Urheberrecht (Kneschke ./. LAION e.V.) geht in die dritte Instanz

Nach zwei richtungsweisenden Urteilen zugunsten der offenen KI-Forschung in Deutschland und Europa verfolgt der Kläger Robert Kneschke seine Klage gegen den gemeinnützigen Verein LAION e.V. nun vor dem Bundesgerichtshof (BGH) weiter. In der Revisionsinstanz wird voraussichtlich abschließend die Frage geklärt, ob die Erstellung von Trainingsdatensätzen für künstliche Intelligenz mit urheberrechtlich geschützten Fotos mit dem Deutschen und Europäischen Urheberrecht vereinbar ist.

 

Wir blicken mit großer Spannung und Vorfreude auf die anstehende Verhandlung am 03. September 2026, in der die rechtlichen Weichen für die Zukunft der generativen KI in Europa gestellt werden.

 

Rückblick: Klare Siege für die KI-Forschung in den Vorinstanzen

Gegenstand des Rechtsstreits ist die vorübergehende Vervielfältigung einer Fotografie im Rahmen der Erstellung des öffentlich zugänglichen KI-Trainingsdatensatzes „LAION 5B“. In den ersten beiden Instanzen – vor dem Landgericht Hamburg (Urteil vom 27.09.2024) und dem Hanseatischen Oberlandesgericht (Urteil vom 10.12.2025) – wurde die Klage des Stockfoto-Händlers vollumfänglich abgewiesen.

 

Beide Gerichte bestätigten, dass das Herunterladen von Bildern zum Abgleich mit Textbeschreibungen unter den Begriff des Text und Data Mining (TDM) gemäß § 44b UrhG fällt. Zudem erkannten die Gerichte an, dass sich der LAION e.V. als gemeinnütziger Verein auf die Privilegierung für wissenschaftliche Forschung gemäß § 60d UrhG berufen kann.

 

Ein zentraler Streitpunkt in der Berufungsinstanz war der „maschinenlesbare Nutzungsvorbehalt“ (Opt-Out). Das OLG Hamburg urteilte hier, dass der Kläger nicht nachweisen konnte, dass der in natürlicher Sprache verfasste Vorbehalt zum streitgegenständlichen Zeitpunkt automatisiert erfasst und ausgelesen werden konnte.

 

Wegen der fundamentalen Bedeutung des Falles für die europäische Innovationskraft wurde die Revision zum BGH zugelassen. Das Verfahren wird dort unter dem Aktenzeichen I ZR 281/25 geführt.

 

Ausblick auf den 3. September 2026

Wir sind unheimlich gespannt auf den 03. September und blicken der Verhandlung vor dem höchsten deutschen Zivilgericht äußerst optimistisch entgegen. Im Ergebnis erwarten wir, dass der BGH den innovationsfreundlichen Kurs der Vorinstanzen bestätigt, um der europäischen Open-Source-Forschung den nötigen Rückhalt zu geben.

 

Besonders spannend bleibt die Frage, ob der BGH von der Möglichkeit Gebrauch machen wird, dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) Fragen zur Vorabentscheidung vorzulegen. Da die streitgegenständlichen Vorschriften im Deutschen Urheberrechtsgesetz (UrhG) auf Europäischem Recht beruhen, kann der BGH das Europäische Gericht darum bitten, über die Auslegung der Vorschriften zu entscheiden.

 

Die öffentliche Verhandlung findet um 9:00 Uhr im Gebäude des BGH (Herrenstraße 45a) in Karlsruhe statt.

 

English Version

Hearing before the Federal Court of Justice (BGH): Landmark case on AI training and copyright (Kneschke v LAION e.V.) proceeds to the third instance

 

Following two landmark judgements in favour of open AI research in Germany and Europe, the claimant, Robert Kneschke, is now pursuing his case against the non-profit organisation LAION e.V. before the Federal Court of Justice (BGH). The appeal proceedings are expected to finally clarify whether the creation of training datasets for artificial intelligence using copyright-protected photographs is compatible with German and European copyright law.


We are looking forward with great anticipation to the upcoming hearing on 3 September 2026, which will set the legal course for the future of generative AI in Europe.

 

Review: Clear victories for AI research in the lower courts

The subject of the legal dispute is the temporary reproduction of a photograph in connection with the creation of the publicly accessible AI training dataset ‘LAION 5B’. In the first two instances – before the Hamburg Regional Court (judgement of 27 September 2024) and the Hanseatic Higher Regional Court (judgement of 10 December 2025) – the stock photograph distributor’s claim was dismissed in its entirety.


Both courts confirmed that the downloading of images for comparison with text descriptions falls within the scope of text and data mining (TDM) pursuant to Section 44b of the German Copyright Act (UrhG). Furthermore, the courts recognised that LAION e.V., as a non-profit association, is entitled to invoke the exemption for scientific research pursuant to Section 60d of the German Copyright Act (UrhG).


A key point of contention at the appeal stage was the ‘machine-readable usage restriction’ (opt-out). The Higher Regional Court of Hamburg ruled that the claimant had failed to prove that the restriction, which was drafted in natural language, could have been automatically captured and read at the time in question.


Given the fundamental importance of the case for European innovation, leave to appeal to the Federal Court of Justice (BGH) was granted. The proceedings are being conducted there under case number I ZR 281/25.

 

Outlook for 3 September 2026


We are incredibly excited about 3 September and are looking forward to the hearing before Germany’s highest civil court with great optimism. Ultimately, we expect the Federal Court of Justice (BGH) to uphold the innovation-friendly approach taken by the lower courts, in order to provide the necessary support for European open-source research.


Of particular interest remains the question of whether the Federal Court of Justice will make use of the option to refer questions to the Court of Justice of the European Union (CJEU) for a preliminary ruling. As the provisions at issue in the German Copyright Act (UrhG) are based on European law, the Federal Court of Justice may ask the European Court to rule on the interpretation of these provisions.


The public hearing will take place at 9.00 am at the BGH building (Herrenstraße 45a) in Karlsruhe.

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BGH verhandelt über die Erstellung von KI-Trainingsdatensätzen: Senat äußert vorläufige Rechtsauffassung und hält EuGH-Vorlage für möglich

Karlsruhe/Hannover, 3. September 2026. Der I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat heute in der Sache Kneschke ./. LAION e.V. (Az. I ZR 281/25) mündlich verhandelt. Gegenstand des Verfahrens ist die Frage, ob die vorübergehende Vervielfältigung einer Fotografie bei der Erstellung des frei verfügbaren Bild-Text-Datensatzes LAION-5B das Urheberrecht des Fotografen verletzt. Der Senat hat zu drei rechtlichen Aspekten näher Stellung genommen und darauf hingewiesen, dass eine Vorlage einzelner Auslegungsfragen an den Gerichtshof der Europäischen Union in Betracht kommt. Eine Entscheidung ist am heutigen Tag nicht ergangen.

 

1. Text und Data Mining

Nach der in der Verhandlung geäußerten vorläufigen Auffassung des Senats greifen die Tatbestände des Text und Data Mining im Einklang mit den Vorinstanzen im Grundsatz ein. Die Auswahlarbeit bei der Erstellung von LAION-5B liefere Erkenntnisse über die Relation zwischen Bildinhalt und Bildbeschreibung, sodass ein Informationsgewinn zu bejahen sei. Beide Vorinstanzen hatten den Abgleich von Bild und Bildbeschreibung als automatisierte Analyse im Sinne des § 44b UrhG eingeordnet (LG Hamburg, Urt. v. 27.9.2024 – 310 O 227/23; Hanseatisches OLG, Urt. v. 10.12.2025 – 5 U 104/24, GRUR 2026, 398 – LAION).

 

2. Nutzungsvorbehalt

Zum maschinenlesbaren Nutzungsvorbehalt nach § 44b Abs. 3 UrhG hat der Senat Fragen aufgeworfen, ohne seine Rechtsauffassung abschließend mitzuteilen. Zu klären sei, ob die Erklärung in den Nutzungsbedingungen der Bilddatenbank Bigstock, auf der das streitgegenständliche Bild veröffentlicht wurde, der Auslegung bedurfte, wie es das Berufungsgericht angenommen hat. Rechtlich zu klären ist, ob eine Formulierung in natürlicher Sprache ausreichend ist und ob das Merkmal der Maschinenlesbarkeit zugleich das Erfordernis der Maschinenverständlichkeit indiziert.

Zum letztgenannten Punkt hat sich der Senat dahingehend geäußert, dass ein Verstehen durch Programme ermöglicht werden müsse, damit das System sinnvoll funktionieren könne. Die Frage betrifft die Voraussetzungen, unter denen Rechteinhaber ihre Werke vom Text und Data Mining ausnehmen können.

 

3. Text und Data Mining zu wissenschaftlichen Zwecken

Zurückhaltender äußerte sich der Senat zu § 60d UrhG, der sich mit KI-Training zu wissenschaftlichen Zwecken beschäftigt. Dass auch ein privatrechtlich organisierter Verein Forschungsorganisation im Sinne der Vorschrift sein kann, stellte er nicht in Frage. Der Senat gab jedoch zu erkennen, dass das OLG Hamburg bei der Prüfung, ob eine Verflechtung mit einem privatwirtschaftlichen Unternehmen der Anwendung der Wissenschaftsschranke entgegensteht, großzügige Maßstäbe angelegt haben könnte. Zudem stellte er zur Erörterung, ob ein für die wissenschaftliche Forschung hinreichender Erkenntnisgewinn vorliegt.

 

Der Vertreter von LAION hat dem entgegengehalten, dass die bloße Möglichkeit der Einflussnahme eines privaten Unternehmens nicht ausreiche und zusätzlich ein bevorzugter Zugang zu den Forschungsergebnissen hätte nachgewiesen werden müssen, was dem Kläger in den Tatsacheninstanzen nicht gelungen sei.

 

4. Mögliche Vorlage an den Gerichtshof der Europäischen Union

Der Vorsitzende hat darauf hingewiesen, dass einige der aufgeworfenen Rechtsfragen dem Gerichtshof der Europäischen Union nach Art. 267 AEUV zur Klärung vorgelegt werden könnten. Die Auslegung von Art. 3 und Art. 4 der Richtlinie (EU) 2019/790 ist in allen Mitgliedstaaten in gleicher Weise entscheidungserheblich.

 

Stimme von LAION

„In diesem Verfahren geht es für uns um die Freiheit der akademischen bzw. wissenschaftlichen Forschung gegenüber den Interessen kommerzieller Akteure, die ihre Gewinne in den Vordergrund stellen. LAION-5B ist entstanden, damit Forschung an großen Bild-Text-Datensätzen und Lernverfahren, die solche Datensätze verwenden, nicht allein in den Laboren einiger weniger großer Unternehmen stattfindet, sondern öffentlich nachvollziehbar und überprüfbar bleibt. Die Wissenschaftsschranke soll gemeinnütziger Forschung und Open Source genau den Freiraum geben, den es braucht, um Grundlagenforschung in wichtigen Bereichen des maschinellen Lernens gemeinsam zu betreiben. Diesen Freiraum zum Erkenntnisgewinn und zum Nutzen der breiten Mehrheit zu sichern, ist aus unserer Sicht der Kern des Verfahrens“, erklärt Dr. Jenia Jitsev, wissenschaftliche Leitung und Vorstand des LAION e.V.

 

Stimme zum Verfahren

„Der Senat hat die zentralen Streitfragen heute klar konturiert. Von besonderer praktischer Bedeutung ist die Frage, ob ein Nutzungsvorbehalt maschinell verstanden werden muss, um Wirkung zu entfalten. Davon hängt ab, wie das Opt-out-System für Rechteinhaber und Datensatzersteller künftig auszugestalten ist“, erklärt Rechtsanwalt Joerg Heidrich, dessen Kanzlei LAION in den ersten beiden Instanzen vertreten hat.

 

Hintergrund

Der Kläger ist Fotoproduzent. Der Beklagte ist ein gemeinnütziger eingetragener Verein und stellt den Datensatz LAION-5B mit rund 5,85 Milliarden Bild-Text-Paaren kostenfrei zur Verfügung. Der Datensatz enthält keine Bilddateien, sondern Hyperlinks auf öffentlich abrufbare Bilder sowie Metadaten und Bildbeschreibungen. Streitgegenständlich sind Downloads aus dem zweiten Halbjahr 2021, bei denen Bilder zum Abgleich mit ihrer Beschreibung vorübergehend heruntergeladen und anschließend gelöscht wurden. Landgericht und Oberlandesgericht Hamburg haben die Klage abgewiesen, das Berufungsgericht hat die Revision zugelassen.

Ein Verkündungstermin ist am heutigen Tag nicht bekannt gegeben worden.

 

Pressekontakt

Für technische Fragen und Informationen rund um den LAION e.V.: Dr. Jenia Jitsev, wissenschaftliche Leitung und Vorstand LAION e.V., https://laion.ai, contact@laion.ai

 

Für rechtliche Fragen: Heidrich Rechtsanwälte PartG mbB, Rechtsanwalt Joerg Heidrich, www.recht-im-internet.de, heidrich@recht-im-internet.de

 

English Version

Federal Court of Justice hears case on the creation of AI training datasets: Panel expresses preliminary legal opinion and considers referral to the European Court of Justice a possibility


Karlsruhe/Hanover, 3 September 2026. The First Civil Division of the Federal Court of Justice today held an oral hearing in the case of Kneschke v. LAION e.V. (Case No. I ZR 281/25). The subject of the proceedings is the question of whether the temporary reproduction of a photograph in the creation of the freely available image-text dataset LAION-5B infringes the photographer’s copyright. The Chamber commented in detail on three legal aspects and indicated that a reference of specific questions of interpretation to the Court of Justice of the European Union may be considered. No decision was handed down today.


1. Text and data mining

According to the Senate’s preliminary view expressed during the hearing, the provisions on text and data mining apply in principle, in line with the lower courts. The selection process involved in the creation of LAION-5B provides insights into the relationship between image content and image description, meaning that a gain in information can be affirmed. Both lower courts had classified the comparison of images and image descriptions as automated analysis within the meaning of Section 44b of the German Copyright Act (UrhG) (Hamburg Regional Court, judgment of 27 September 2024 – 310 O 227/23; Hanseatic Higher Regional Court, judgment of 10 December 2025 – 5 U 104/24, GRUR 2026, 398 – LAION).

 

2. Reservation of use

With regard to the machine-readable reservation of use under Section 44b(3) of the German Copyright Act (UrhG), the Senate raised questions without definitively stating its legal opinion. It remains to be clarified whether the statement in the terms and conditions of the Bigstock image database, on which the image at issue was published, required interpretation, as the Court of Appeal had assumed. It must be clarified in law whether a formulation in natural language is sufficient and whether the characteristic of machine-readability simultaneously implies the requirement of machine-comprehensibility.


On the latter point, the Senate stated that programmes must be able to understand the text in order for the system to function effectively. The question concerns the conditions under which rights holders may exclude their works from text and data mining.

 

4. Possible referral to the Court of Justice of the European Union

The Chair pointed out that some of the legal issues raised could be referred to the Court of Justice of the European Union for clarification under Article 267 TFEU. The interpretation of Articles 3 and 4 of Directive (EU) 2019/790 is equally relevant to the decision in all Member States.


Statement by LAION


‘For us, this case is about the freedom of academic and scientific research in the face of the interests of commercial actors who prioritise their profits. LAION-5B was created to ensure that research into large image-text datasets and machine learning methods that utilise such datasets does not take place solely in the laboratories of a handful of large companies, but remains publicly transparent and verifiable. The ‘science exception’ is intended to give non-profit research and open source precisely the scope they need to jointly conduct fundamental research in key areas of machine learning. In our view, safeguarding this scope for the acquisition of knowledge and for the benefit of the vast majority is at the heart of these proceedings,” explains Dr. Jenia Jitsev, Scientific Director and Board Member of LAION e.V.

 

Comments on the proceedings


“The Senate has today clearly defined the key issues in dispute. Of particular practical significance is the question of whether a reservation of use must be machine-readable in order to be effective. This will determine how the opt-out system for rights holders and data set creators is to be structured in future,” explains lawyer Joerg Heidrich, whose law firm LAION represented the claimant in the first two instances.


Background

The claimant is a photo producer. The defendant is a registered non-profit association which makes the LAION-5B dataset – comprising around 5.85 billion image-text pairs – available free of charge. The dataset does not contain any image files, but rather hyperlinks to publicly accessible images, as well as metadata and image descriptions. The dispute centres on downloads from the second half of 2021, during which images were temporarily downloaded for comparison with their descriptions and subsequently deleted. The Hamburg Regional Court and the Hamburg Higher Regional Court dismissed the claim; the Court of Appeal has granted leave to appeal.


No date for the pronouncement of the judgement has been announced today.


Press contact

For technical enquiries and information regarding LAION e.V.: Dr Jenia Jitsev, Scientific Director and Board Member of LAION e.V., https://laion.ai, contact@laion.ai


For legal enquiries: Heidrich Rechtsanwälte PartG mbB, Joerg Heidrich, Solicitor, www.recht-im-internet.de, heidrich@recht-im-internet.de